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Mathias Fuchs, Christian Huberts, Christiane Hütter, Eric Zimmerman
GAME OVER – Spielstrategien in Alltag und Arbeit

FR
SA

14.7.
15.7.

19.30
12.00



 

BARCAMP
FFT KAMMERSPIELE    JAHNSTRASSE 3
GAME ON STAGE reloaded

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2013 rief der US-amerikanische Game-Designer Eric Zimmerman in seinem „Manifesto for a Ludic Century“ das Zeitalter des Spiels aus. Seitdem diskutieren Gamer*innen auf der ganzen Welt seine Thesen. Was als tiefgreifende kulturelle Wende hin zu mehr Beteiligung und Gestaltung gefeiert wurde, hat auch Kritiker*innen auf den Plan gerufen. Das Spielerische steht längst nicht mehr nur für Spaß und Freiheit, sondern findet seine Kehrseite in Präkarisierung, Manipulation und der massenhaften Aufgabe von Privatsphäre und persönlichen Daten. Im Rahmen der Reihe „Game ON Stage Reloaded“ diskutierte das FFT Düsseldorf mit den Theatergamer*innen von machina eX und internationalen Expert*innen die gesellschaftlichen Facetten des Spielerischen.

Vor ein paar Jahren schrieb der Game-Designer Eric Zimmerman das „Manifesto for a Ludic Century“. In dem Essay zelebrierte er die Relevanz des Spiels in den historischen und kulturellen Kontexten unserer Zeit. In diesem Vortrag korrigiert er diese irreführende Position, weil sie nur eine vereinfachte Version dessen darstellt, was Spiele wirklich sind.

Christian Huberts, Diplom-Kulturwissenschaftler, ist er freiberuflicher Redakteur für das Games-Bookazine „WASD“, kuratiert Texte auf „piqd“ und tritt regelmäßig als Experte für digitale Spiele auf Kulturveranstaltungen auf. Er unterrichtet Game Studies an der BTK in Berlin. Daneben schreibt er für wissenschaftliche Publikationen, Kulturmagazine sowie Online-Zeitungen diverse Artikel über die Partizipation an virtuellen Welten und die Kultur von Computerspielen.

Game Literacy oder praktischeres Game Thinking ist ein mächtiger mentaler Rahmen, der es uns Menschen ermöglicht, Systeme zu analysieren, zu vergleichen und zu gestalten. Mit Bezug auf Beuys „Kunst als soziales Plastik“ kann das Game Thinking als wichtiges Vehikel für Kunst betrachtet werden, das versucht die Art und Weise, wie wir zusammenleben, als Individuen, Gruppen und Gesellschaften zu erfinden. Jedoch müssen wir uns immer mehr mit dem Missbrauch spielerischen Denkens auseinandersetzen. Dies bringt besonders Verantwortung für visionäre Spieldesigner*innen mit sich. Dieser Vortrag handelt von Realität, Freiheit und Anarchie in Spielen, verspielten Strukturen und der Realität.

Christiane Hütter ist Game Designerin und Autorin. Seit 2010 entwickelt und produziert sie spielerische Formate für Menschen in der urbanen Gesellschaft. Sie arbeitet besonders gerne am „Weltübergang“ zwischen Wissenschaften, Künsten und Verwaltungen, was dazu führt, dass sie eine hohe Formatvielfallt abdeckt. Regelmäßig unterrichtet sie Game Design und Storytelling und berät Institutionen.

Mary Poppins' fragwürdige Behauptung, dass es in jeder Arbeit auch ein Stückchen Spaß und Spiel gäbe, kann auf veschiedene Weisen interpretiert werden. Es könnte sich dabei um eine reine Fehleinschätzung oder Illusion handeln, es könnte die Legitimationsformel für ludokapitalistische Ausbeutung sein – wie es Ian Bogost behauptet, wenn er sagt, dass Gamification eigentlich 'exploitationware' genannt werden müsste – oder es könnte sich um eine ideologische Exclamation des Apparates handeln, wie ihn Althusser vor sich sieht. Gamification könnte aber auch eine Technik des Selbst sein, die es uns ermöglicht, dort noch zu arbeiten, wo wir schon halb glauben möchten, spielen zu können.

Mathias Fuchs ist Künstler und Medienwissenschaftler. Er studierte Informatik und Komposition in Erlangen, Wien und Stockholm. 2010 promovierte er mit einer Arbeit zu „Sinn und Sound“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er lehrte und forschte an der Universität für angewandte Kunst und an der Musikhochschule in Wien, der Sibelius-Akademie in Helsinki und der University of Salford in Manchester, wo er drei MA-Programme entwickelte und leitete. Er leistet Pionierarbeit auf dem Gebiet der künstlerischen Nutzung von Spielen sowie Arbeiten zu Game Art und Games Studies.

Ein Projekt im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

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